Geschichten von Betreuerinnen
Sonne nach dem Sturm

Sonne nach dem Sturm

Autorin: Stefan S. / 13.11.2018

Nachdem ich mein Job verloren hatte, zerbrach auch meine Ehe und für mich war es das Ende der Welt. Es war, als ob mein Leben vorbei wäre und keinen Sinn mehr machte. Ich verlor alles. Es blieben nur Erinnerungen, ein schmerzendes Herz und viele Sorgen über mein künftiges Leben.

Einige Jahre schlug ich mich so gut durch, wie ich nur konnte, mithilfe von Leuten, die sich meine Freunde nannten und mir angeblich helfen wollten. Das Gegenteil war der Fall. Sie versuchten nur, meine Situation auszunutzen und mich als billige Arbeitskraft auszubeuten. Ich trat auf der Stelle, in einer schwierigen Situation. Ich irrte im Dunkeln herum, plagte mich und wusste nicht, wie ich weiterkommen sollte. Eine Familie bemerkte es und mir erschien ein Funken Hoffnung.

Ich meldete mich zu einem Pflegerkurs an und dort begann ich, nach langer Zeit etwas sehr Schönes und Wärmendes in meinem Herzen zu sehen und fühlen. Mit großer Freude fing ich meine Ausbildung in einem Altersheim an. Nach einigen Tagen fragte mich ein älterer Bewohner des Heims, ob ich dort neu sei. Ich antwortete, dass ich einen Pflegerkurs besuche und dort die Ausbildung mache. Er sagte, er habe mich schon ein paar Tage beobachtet. Wir hatten ein langes Gespräch und danach widmete ich ihm jede freie Minute. Meine ersten Schritte führten immer in sein Zimmer, um ihn zu begrüßen und ihm einen schönen Tag zu wünschen. Am letzten Tag meiner Ausbildung kam ich, um mich zu verabschieden. Er hielt meine Hand und mit Tränen in den Augen sagte er: „Štefan, bleiben Sie hier, Sie werden mir damit das Leben verlängern.“ Ich war ehrlich gerührt. So ein schönes Gefühl hatte ich noch nie erlebt. Damals fiel mir ein: „Das Leben ist wunderschön, aber man muss wissen, wie man leben soll und man muss dem Leben alles geben, damit es schön ist. Nicht nur den Verstand, sondern vor allem das Herz.“ Seitdem wusste ich, was der Sinn meines weiteren Lebens ist. Ein Weg öffnete sich mir, den ich weitergehen soll.  

Dank einer Familie, die mich bemerkte und die mir in einer sehr schwierigen Zeit unglaublich half. Sie waren wie meine verlorene Familie. Sie stellten mich als Pfleger in einer Tageseinrichtung für stationäre Pflege ein. Dank ihnen fand ich wieder einen Sinn im Leben und kann das machen, was mir Freude bereitet. Ich freue mich auf jeden neuen Tag, an dem ich unsere Klienten begrüße. Eine 89-jährige Oma kommt morgens vorbei und sagt „Hallo!“ mit einem glücklichen Lächeln. Ich umarme sie und helfe ihr, sich in den Sessel zu setzen. Oft erzählen wir uns unsere Sorgen und Freuden und unsere Geschichten rühren den anderen manchmal zu Tränen. Dank der Arbeit, die ich mache, wurde ich tatsächlich glücklich. In meiner Pflegergruppe, die ich vor einem halben Jahr gründete, lernte ich viele wahre Freunde kennen. Sie hat heute 410 Mitglieder – Pfleger und Pflegerinnen, die bei uns zu Hause sowie im Ausland arbeiten und mit dem Herzen dabei sind. Wenn ich mit meinem Sprachkurs fertig bin, werde ich es auch im Ausland versuchen.

Wir sind eine große Familie von Pflegern und Pflegerinnen, die sich mit Liebe um alte Menschen kümmern, obwohl sie dafür oft ihre eigene Familie vernachlässigen müssen.

Ich richtete mich immer nach dem Motto: „Nach jedem Sturm folgt Sonnenschein.“ Mein Warten lohnte sich. Meine Sonne fing eben an, ihr warmes Licht auszustrahlen. Genauso eine Sonne wünsche ich allen Pflegern und Pflegerinnen und jedem Menschen, der ein großes Herz hat.

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